Trekkingtour durch die Highlands
Der West Highland Way (Schottland)
Milngavie → Drymen → Rowardennan → Inverarnan → Tyndrum → Inveroran Hotel → Kingshouse Hotel → Kinlochleven → Fort William

Für das altehrwürdige Rabanus-Maurus-Gymnasium brach im Jahre 2004 eine neue Ära der Studienfahrten an: Zum ersten Mal in der 450-jährigen Geschichte des Gymnasiums fand sich eine Gruppe verwegener Abenteurer, die ihre Kursfahrt der Jahrgangsstufe 12 als Trekkingtour durch die schottischen Highlands gestalten wollte. Im Herbst 2004 haben die unerschrockenen Highlander den West Highland Way im Nordwesten Schottlands erwandert. Unter Wanderern legendär - über 50.000 Menschen wandern ihn pro Jahr entlang - war das alles für die meisten von uns Neuland, so dass wir uns mit Testwanderungen (sog. HHTs - Highlander-Härtetests) und Themenabenden ausgiebig auf unsere Aufgabe eingestimmt haben. Selbstverständlich musste jeder, der mit nach Schottland fahren wollte, Highlander, Braveheart und Rob Roy gesehen haben. Nachfolgend möchte ich Euch in Kürze den Ablauf der Fahrt vorstellen. Zuvor aber noch einige interssante Links zum WHW:
6. Oktober 2004 - Flug von Hahn nach Prestwick
Um 16 Uhr haben wir uns am RaMa getroffen, um dann eine Viertelstunde später in Richtung Hahn loszufahren. Der Flug mit Ryan-Air verlief planmäßig (19:35 Uhr Abflug Hahn - 20:25 Uhr Landung Prestwick). Um kurz nach 10 Uhr nachts kamen wir dann am Bahnhof in Milngavie an, dem Startort des West Highland Ways. Als wir gegen 23 Uhr das erste Mal unsere Zelte auf dem Campingplatz Bankell Farm auf klitschnassem Untergrund aufbauen mussten, schwante uns nichts Gutes. Doch am nächsten Morgen ...
7. Oktober 2004 - 1. Etappe von Milngavie nach Drymen (18 km)
 ... das herrlichste Wetter. Der strahlend blaue Himmel sollte auch noch für ein paar weitere Tage - wie die Bilder hoffentlich bezeugen werden - unser Begleiter sein. Gegen halb elf waren wir dann in der Innenstadt in Milngavie und deckten uns mit Proviant für den ersten Tag ein. Um 11.10 machte dann ein netter Schotte das obligatorische Foto am Obelisken, dem Startpunkt des West Highland Ways. Der erste Abschnitt des Wegs ist wenig spektakulär aber als Einstieg gar nicht verkehrt. Als ersten der kaum zu zählenden Höhepunkte der Fahrt ist die Besichtigung der Glengoyne Distillery zu nennen, die wir um 14.15 Uhr erreichten. Durch Peters und Dominiks Referat bestens vorbereitet gewährte man uns einen Einblick in die Kunst der Whiskyherstellung. Das Probieren des "Lebenswassers" war leider nur den "Großen" erlaubt - tja, es muss ja auch Vorteile haben, Erwachsen zu werden. Wer mehr über der Schotten liebstes Getränk wissen möchte, sollten dem Whisky-Link folgen. Beschwingt machten wir uns anschließend auf die restlichen paar Meter bis zur Easter Drumquhassle Farm, unserem nächsten Campingplatz. Inzwischen war es zwar bewölkt aber immer noch trocken. Nur in der Nacht nieselte es leicht.
8. Oktober 2004 - 2. Etappe von Drymen nach Rowardennan (27 km)
Trotz des frühen Aufstehens um halb acht dauerte es noch bis 9:20 Uhr bis wir endlich aufbrachen. Eine knappe halbe Stunde später erreichten wir Drymen, wo wir unsere Vorräte aufstockten. Um 10:30 Uhr ging es dann los in Richtung Conic Hill, dessen 361 Meter hohen Gipfel wir drei Stunden später nach einem ziemlich anstrengenden Wegstück bei herrlichem Sonnenschein erreichten. Wir genossen die traumhafte Aussicht auf Loch Lomond. Die ersten Ankömmlinge nutzten außerdem die Gelegenheit, ihren Teint aufzufrischen - und das im Herbst in Schottland! Eine Stunde später gelangten wir nach Balmaha, wo sich die Lehrkörper bei einem Pint erholten. Wir waren später dran als geplant, doch obwohl wir erst gegen halb fünf Uhr nachmittags an der Cashell Campsite ankamen, beschlossen wir noch bis zum Rowardennan Youth Hostel durchzulaufen. Leider war die Jugendherberge voll, so dass die müden Wanderer nach 19 Uhr auf einer nahen Lichtung das erste Mal wild campen mussten. Ab 20:30 Uhr war dann endlich Zapfenstreich. Zukünftigen Wanderern des WHWs sei also empfohlen: Wer auf keinen Fall zelten möchte, sollte in der Jugendherberge rechtzeitig reservieren - auch außerhalb der Saison.
9. Oktober 2004 - 3. Etappe von Rowardennan nach Inverarnan (20 km)
 Auch an diesem morgen dauerte es relativ lange, bis wir in die Gänge kamen. Vermutlich hatten die meisten doch noch die anstrengende Etappe des Vortages in den Knochen. Auch der Waldweg am Loch Lomond entlang war alles andere als einfach. Wenn es geregnet hätte, wäre es an einigen Stellen sogar ziemlich gefährlich gewesen. So gelangten wir aber ohne Zwischenfälle nach etwa 3 Stunden gegen 13 Uhr beim Inversnaid Hotel an, wo wir unsere Mittagspause in der Nähe des abgebildeten Wasserfalls einlegten. Für ein gepflegtes Guinness nahm sich das begleitende Lehrpersonal wieder die nötige Zeit, um anschließend die weiteren 3½ Stunden bis zur Beinglas Farm zurückzulegen. Hier trugen die kleinen Freuden des Alltags (heiße Duschen, warme Mahlzeiten in der Bar des Campingplatzes, Übernachtung im Wigwam für die 4 Geplagtesten) maßgeblich dazu bei, dass die Stimmung in der Gruppe sensationell gut war. Lage und Ausstattung des Campingplatzes ist aus unserer Sicht sehr zu empfehlen. Die Wigwams müssen aber in der Regel vorher geordert werden.
10. Oktober 2004 - 4. Etappe von Inverarnan nach Tyndrum (20 km)
 Diese Etappe ist im Nachhinein als recht schön aber unspektakulär zu bezeichnen. Nach dem Aufbruch um Viertel vor Zehn zog sich unsere Gruppe recht schnell auseinander. Nach zwei Stunden war die führende Gruppe bereits an der Abzweigung nach Crianlarich und wartete auf die anderen. Peter und ich gingen die knapp 2 km ohne Rucksäcke "ins Ort", um die Wasservorräte für die Mittagspause aufzufrischen. Auf unserem Weg "genossen" wir das erste mal den feinen schottischen Sprühregen, der jede wetterfeste Kleidung durchdringt. Als wir zurückkamen erfuhren wir, dass die anderen von einem Regen nichts mitbekommen hatten. Der Rest des Wegs führte teils durch kleine Waldgebiete, teils durch Weidenlandschaften und wir erreichten den Campingplatz By-The-Way in Tyndrum nach fünf Uhr. Hier waren wir die einzigen Camper und auch hier gab es Wigwams. Dieses Mal wollten auch einige der sonst so toughen Jungs nicht auf die Bequemlichkeiten einer festen Unterkunft verzichten. Den Abend nutzten wir dann zu einem gemeinsamen Abendessen im "Little Chef".
11. Oktober 2004 - 5. Etappe von Tyndrum nach Inveroran Hotel (15 km)
An diesem Morgen kauften wir im Minimarkt in Tyndrum noch einmal ordentlich ein, da wir für den Rest des Tages mit keinen weiteren Einkaufsmöglichkeiten rechnen konnten.Wir statteten dem Tourist Information Center noch einen kurzen Besuch ab und begannen diese kurze Etappe um 11 Uhr. Kurze Zeit später wurden wir mit einem herrlichen Panorama belohnt: der Beinn Dorain baute sich vor unserem Weg auf. Um 13.15 Uhr kamen wir zur Mittagspause bei Bridge of Orchy an. Von dort war es dann auch nicht mehr weit zu unserem Etappenziel, dem Inveroran Hotel. Keine zweihundert Meter hinter dem Hotel konnten wir auf einer traumhaft gelegenen Wiese neben einer malerischen Brücke wild zelten. Der Lehrkörper begab sich am Nachmittag zwecks Kontaktaufnahme zur einheimischen Bevölkerung in die Walker's Bar des Hotels, um dabei einer deutschen Wandergruppe mit schottischem Führer zu begegnen, der aber ausgezeichnet deutsch sprach. Leider war den übrigen Teilnehmern der Studienfahrt der Zutritt zur Bar aufgrund ihrer fehlenden Reife verwehrt (in Schottland Zutritt in Pubs erst ab 18 Jahren). In der Nacht konnte - wer wollte - den Rufen der brünftigen Hirschen des Rannoch Moors lauschen.
12. Oktober 2004 - 6. Etappe von Inveroran Hotel nach Kingshouse Hotel (16 km)
 Zum Waschen diente uns der Bach, der an unseren Zelten vorbeifloss, weshalb die Körperhygiene an diesem Morgen auch sehr spartanisch ausfiel. Es sprach also nichts gagegen, zeitig aufzubrechen.Die Etappe führte uns durch das fantastische Rannoch Moor und zeigte uns einige beeindruckende Ausblicke. Wir beschlossen, ohne eine nennenswerte Pause bis zum Kingshouse Hotel durchzuwandern, das wir dann auch bereits um 14.30 Uhr erreichten. Da der Bus, den wir zu unserem nächsten Campingplatz nehmen mussten, erst knapp 3 Stunden später kommen sollte, waren wir gezwungen, wieder einmal eine Walker's Bar zu betreten - diesmal durften allerdings auch "die Kleinen" mit 'rein. Während die meisten sich die Zeit beim Doppelkopf spielen und Chips essen vertrieben, suchten Frau Quandt-Deforth und ich "meinen Berg" - den Buachaille Etive Mor ( was wohl in etwa "Großer Hirte des Etive" bedeutet).  Er steht am Eingang des legendären Glen Coe und des Nachbartals Glen Etive und sieht in Natura noch beeindruckender aus als auf jedem Foto. Um 17.20 kam dann der Citylink-Bus (Line: Glasgow - Fort William), der uns nach Glencoe Village brachte. Der Bus hält auf Handzeichen an der Landstraße auf der Höhe des Kingshouse Hotels. Die Busfahrkarten sollte man allerdings bei größeren Gruppen bereits online kaufen. Nach einem Einkauf im bekannten Mace-Market in Glencoe Village kamen wir dann um 19 Uhr auf dem Invercoe Caravan and Camping Park in Invercoe am Loch Leven an.
13. Oktober 2004 - Wanderung im Glencoe
 An diesem Tag war eigentlich ein Pausentag vorgesehen. Wir wollten allerdings auch denjenigen, die Lust dazu hatten, die Gelegenheit dazu bieten, im bekannten Glen Coe zu wandern. Berühmt wurde das Tal durch das "Glencoe Massacre", in dessen Verlauf der Clan der Campbells den Clan der McDonalds Ende des 17. Jahrhunderts auf heimtückischste Art überfiel und nahezu auslöschte. Nachdem wir gemütlich gefrühstückt hatten - der Eigentümer des Campingplatzes war so freundlich, drei Personen zum Einkaufen mit in den Nachbarort zu nehmen - brachen wir zu fünft zu unserer Tageswanderung auf. Während es bis zum frühen Nachmittag relativ wolkig war, kam später die Sonne durch. Wir liefen von Glencoe Village bis zu den "Three Sisters" immer in der Nähe der A82. Dann bogen wir ins "Lost Valley" ein und kletterten einige hundert Meter weiter um atemberaubende Blicke ins Glen Coe zu genießen. Zurück fuhren wir dann per Anhalter.
14. Oktober 2004 - 7. Etappe von Kingshouse Hotel nach Kinlochleven (14 km)
 Am nächsten Morgen war bereits um 6:30 Uhr die Nacht zu Ende, da wir um 8.15 unseren Citylink-Bus nach Kingshouse Hotel nehmen mussten. Gegen halb zehn begannen wir nach einer kurzen Frühstückspause mit unserer Wanderung. Absolutes Highlight dieser Etappe war der Aufstieg auf Devil's Staircase, dem mit 548 m höchsten Punkt des gesamten West Highland Ways. Hier gab es für Dominik kein Halten mehr. Am Berg war er nicht zu bremsen und wartete oben auf den Rest der Gruppe. Belohnt wurden wir mit gigantischen Aussichten in alle Himmelsrichtungen - der Wettergott war wieder einmal ein Mainzer. Über eine Stunde verbrachten wir dort oben, um dann nach 12 Uhr die knapp 9 km bis zu unserem Zeltplatz in Kinlochleven in Angriff zu nehmen. Um Viertel nach zwei erwartete und dann auf beim Camping Platz des Macdonald Hotels eine angenehme Überraschung: aufgrund eines Missverständnisses hatte man uns bei der Reservierung statt zum Zelten für die Blockhütten eingetragen. So konnten wir zum Campingtarif zu zweit in überdachten Cabins schlafen, die für vier Personen eingerichtet sind - die luxoriöseste Nacht des gesamten Weges. Wir schliefen sogar in Betten - tja, die kleinen Freuden des Alltags!
15. Oktober 2004 - 8. Etappe von Kinlochleven nach Fort William (14 km)
 Die letzte Etappe begann mit einer halben Stunde Nieselregen - eigentlich dem ersten und einzigen der ganzen Fahrt. Obwohl es während der Nacht stark geregnet hatte, war der Weg relativ gut zu gehen. Um 12.40 Uhr machten wir auf einer Anhöhe nach etwas mehr als der Hälfte des Wegs Rast. Das Wetter besserte sich, so dass wir Ben Nevis sogar im Sonnenlicht bewundern konnten. Bis Viertel nach drei waren eigentlich alle auf dem Glen Nevis Campsite angekommen. Peter, Frank und Dominik hatten noch den Ehrgeiz, den Weg bis zum offiziellen Ende in Fort William (noch ca. 3 km) mit Gepäck zu Ende zu laufen. Sie begegneten uns dann später als sie sich mit einem "Beck's" (richtig gelesen: Beck's Bier in Schottland) belohnten. Auf dem Campingplatz waren vor allem die heißen Duschen sehr beliebt.
16. Oktober 2004 - Wanderung auf den Ben Nevis
 Auch heute wurde den Aktivsten der Truppe am "Pausentag" einiges geboten: Die Besteigung des Ben Nevis, des mit 1344 m höchsten Bergs ganz Großbritanniens. Um 10.35 Uhr begannen wir das nicht ganz ungefährliche Unternehmen, denn obwohl Jahr für Jahr ca. 75000 Wanderer den Aufstieg wagen, verunglücken auch viele Leichtsinnige, die die Anstrengungen und widrigen Witterungsverhältnisse unterschätzen. Auch an diesem Tag waren Hunderte von Menschen unterwegs, so dass die Wanderung eher einer Wallfahrt glich. Gegen 13.45 Uhr erreichten wir durch dichten Nebel den mit einer dünnen Schneeschicht bedeckten Gipfel. Da es sehr kalt war, hielten wir uns nicht lange auf und waren bereits um 16 Uhr wieder auf unserem Campingplatz.
17. Oktober 2004 - Busfahrt nach Edinburgh
 Nach den anstrengenden letzten Tagen warteten nun Tage der Erholung auf uns. Nach einem kurzen Halt am "Wishing Stone" kamen wir auf dem Weg zur Bushaltestelle am offiziellen Endpunkt des West Highland Ways vorbei und mussten natürlich das obligatorische Gruppenfoto machen. Um 11.20 fuhr der Citylink-Bus los. Wer mit einer größeren Gruppe fahren möchte, sollte unbedingt alle Karten vorher kaufen, da die Fahrer auch mit den noch zusteigenden Passagieren (von denen sie wissen) kalkulieren müssen und überzählige Personen stehen lassen. Nach dreistündiger Fahrt erreichten wir die Buchanan Street Station in Glasgow, wo wir nach einer halben Stunde Wartezeit den Anschlussbus nach Edinburgh nahmen. Um 16.45 Uhr erreichten wir dann unsere Unterkunft in Edinburgh, das St. Christopher's Inn, das zu einer größeren Hostel-Kette in Großbritannien gehört und das wir sehr empfehlen können. Am Abend fanden wir dann noch Zeit für einen gemeinsamen Spaziergang durch die New Town.
18. Oktober 2004 - Besichtigung Edinburghs
 Am Vormittag war eine Besichtigung der Old Town geplant. Wir begannen die kurze Tour selbstverständlich beim Edinburgh Castle, folgten der Royal Mile bis zum Holyrood Palace und bestiegen Arthur's Seat in Holyrood Park. Generell sollte jeder Besucher Edinburghs durch Holyrood Park wandern, denn er hat die komplette Vielfalt der Landschaften schottischen Highlands auf wenige Hektar komprimiert - man sieht Täler, Seen, Wiesen und Berge. Auch ist die Aussicht vom 251 m hohen Arthur's Seat über Edinburgh spektakulär. Der Nachmittag war zur freien Verfügung und wurde von den meisten für Einkäufe genutzt. Um 18 Uhr trafen wir uns wieder alle zum Essen in der Bar des Hostels.
19. Oktober 2004 -Flug nach Hahn
Obwohl unser Flug in Prestwick erst um 20:50 Uhr startete, hatten wir beschlossen, einen Großteil des Tages in Glasgow zu verbringen. Nach einer guten Stunde Zugfahrt kamen wir um kurz nach 11 in Glasgow an. Wir teilten 3 verschiedene Gruppen ein, die jeweils für 2 Stunden das Gepäck beaufsichtigen sollten, so dass jeder noch einmal 4 Stunden in Glasgow zur freien Verfügung hatte. Um halb sechs verließen wir Glasgow und landeten sicher wieder um 23.40 Uhr in Hahn.
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